Was ist bei der Beleuchtungsplanung zu beachten?
Bei der Planung und Installation von Beleuchtung für barrierefreie Räume gelten einige grundlegende Prinzipien.
Besonders wichtig ist der Einsatz von möglichst großen, flächigen Leuchten. Kleine, punktuelle Lichtquellen erzeugen starke Helligkeitskontraste und führen schnell zu Blendung – ein Problem, das für sehbeeinträchtigte Menschen besonders gravierend ist.
Darüber hinaus sollten Leuchten möglichst deckennah montiert werden. Pendelleuchten, die zu tief in den Raum hängen, stellen eine potenzielle Unfallgefahr dar.
Eine deckennahe, gleichmäßige Lichtverteilung sorgt hingegen für ein homogenes Raumgefühl und minimiert störende Schattenwürfe.
Was ist für Menschen mit Sehbehinderung besonders wichtig?
Jeder Mensch ist einzigartig – das gilt auch für die Art und Weise, wie Licht wahrgenommen wird.
Sehbehinderungen sind äußerst verschieden: Manche Menschen haben einen eingeschränkten Gesichtsfeldausschnitt, andere leiden unter Kontrastschwäche oder geringer Sehschärfe. Entsprechend unterschiedlich ist auch das Empfinden gegenüber verschiedenen Lichtfarben.
Bläuliches, kaltweißes Licht wird von vielen sehbeeinträchtigten Menschen als blendend und unangenehm wahrgenommen. Wärmeres Licht hingegen wird als angenehmer und weniger störend empfunden.
Aus diesem Grund empfiehlt die Nikolauspflege bei der Planung eher eine Lichtfarbe um 3.000 Kelvin. Blendung sollte in jedem Fall konsequent vermieden werden – sei es durch geeignete Abschirmungen, indirekte Beleuchtungsanteile oder die Auswahl geeigneter Leuchtmittel und Leuchtengehäuse.
Hinzu kommt: Der Lichtbedarf vieler sehbeeinträchtigter Menschen ist erheblich höher als bei Personen ohne Sehbeeinträchtigung.
Je nach Aufgabe und Situation sprechen wir häufig von Beleuchtungsstärken jenseits von 1.000 Lux – einem Wert, der in herkömmlichen Büro- oder Wohnräumen deutlich überschritten werden muss.
Licht als Orientierungshilfe
Einige sehbeeinträchtigte Menschen verfügen noch über ein Sehvermögen, das es ihnen erlaubt, Umrisse, Schemen oder grobe Formen wahrzunehmen. Auch hier kann die Gestaltung der Beleuchtung einen wertvollen Beitrag leisten.
Beispielsweise können längliche Leuchten in Fluren eine Richtungsorientierung unterstützen, während runde Leuchten im Treppenhaus als räumliche Ankerpunkte dienen.
Leuchtformen können so bewusst eingesetzt werden, um Orientierung und Sicherheit zu fördern.
Worauf achtet die Nikolauspflege besonders?
Die Nikolauspflege versucht stets, das bestmögliche Licht für alle Nutzerinnen und Nutzer zu schaffen – und das immer in enger Abstimmung mit der jeweiligen Architektur.
Dabei steht nicht nur die reine Helligkeit im Vordergrund, sondern auch das Zusammenspiel aller Faktoren:
- Lichtfarbe
- Lichtverteilung
- Blendungsfreiheit
- räumliche Gestaltung
Gleichzeitig werden Leuchten gezielt als Gestaltungselement eingesetzt. Über Leuchtformen, Kontraste und Veränderungen im Raumeindruck entstehen Orientierungssysteme, die Menschen mit Sehbehinderung dabei unterstützen, sich sicher und selbstständig zu bewegen.
Besonderer Wert wird darauf gelegt, dass die Übergänge zwischen unterschiedlich beleuchteten Bereichen möglichst homogen gestaltet sind.
Abrupte Helligkeitswechsel – etwa beim Übergang von einem hellen Flur in ein dunkleres Zimmer – können für sehbeeinträchtigte Menschen besonders herausfordernd sein und das Orientierungsvermögen beeinträchtigen.
Barrierefreiheit durch Licht bedeutet daher sorgfältige Planung, konsequente Umsetzung und Verständnis für die individuellen Bedürfnisse der Menschen, für die Räume gestaltet werden.
Fazit: Licht schafft Orientierung
Licht beeinflusst Orientierung, Sicherheit und Wohlbefinden. Für Menschen mit Sehbehinderung sind eine ausreichende Beleuchtungsstärke, blendfreie Lichtquellen, geeignete Lichtfarben und gleichmäßige Übergänge zwischen unterschiedlich beleuchteten Bereichen besonders wichtig.
Das Beispiel des neuen Schulhauses zeigt, dass Licht weit mehr sein kann als reine Beleuchtung: Es unterstützt Orientierung, stärkt Selbstständigkeit und ist damit ein wesentlicher Bestandteil barrierefreien Bauens.



